HOLE IN ONE

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HOLE IN ONE am 26.05.2011 um 15:25 Bahn 7

Freitag, 22. März 2013

Unglaublich

Sagt man Tschakka? Ich bin ja so aufgeregt. Vor über 10 Jahren kam ein Aufruf in unserer Gemeinde, dass man sich doch bitte zur Typisierung in die Knochenmarkspenderdatei eintragen lassen soll.
Damals wurde der Aufruf von meiner ersten Freundin und deren Familie gemacht. Ihre Tochter hatte schon länger Leukämie und die letzte Rettung wäre ein Stammzellenspender gewesen. Viele hundert Leute haben sich damals in der Turnhalle eingefunden um sich typisieren zu lassen. Dass es sich dabei um das Kind von meiner Exfreundin handelte, machte die Sache auch noch um einiges persönlicher. War eine Selbstverständlichkeit für mich. Dann noch damals 50 Mark in den Spendentopf geworfen.
Das Kind ist dennoch leider im Alter von 7 Jahren gestorben.
Vor etwa 5 Jahren bekam ich mal einen Brief von der DKMS, dass ich evtl infrage käme für einen Patienten. Aber das wurde nix, die Werte stimmten nicht.
Es gingen wieder ein paar Jahre ins Land. Die Aufrufe zu Typsierungen gibts immer wieder und mittlerweile gibt es 2,8 Millionen Menschen aus Deutschland, die in der Datei gespeichert sind.
Nun vor 2 Monaten fand ich dann ein Päckchen vor der Tür. Absender, die DKMS. Ich mach das Päckchen auf und les den Brief.
In etwa stand da, dass meine Blutwerte infrage kämen für einen Patienten, die Werte stimmen überein. Ich solle zum Hausarzt gehen und mir Blut abnehmen lassen, das wird dann nach Köln geschickt zur Bestätigungstypisierung.
Ich hoffte und hoffte und hoffte, dass ich DER Stammzellenspender für diesen, mir natürlich vollkommen unbekannten Patienten bin.
Die Zeit verging, ich bekam vor ein paar Wochen eine Mail. Die Bestätigungstypisierung verlief positiv, sie melden sich beizeiten wieder.
Ich wartete und mir ging das einfach nicht aus dem Kopf. Da ist irgendwo da draussen ein Mensch mit Blutkrebs, der hofft, dass für ihn ein Stammzellenspender gefunden wird und ich hoffe, dass ich für ihn der Spender bin. Irgendwie sind wir schon verbunden. Ist es ein Mann, eine Frau, ein Kind? Wie schlecht geht es dem Patienten? Was denkt er, bekommt er die Nachrichten auch, dass es da evtl einen gibt, der ihn retten kann?
Das geht mir echt verdammt nahe.
Also wartete ich weiter. Dann plötzlich gestern bekomme ich eine Mail. Ich solle einen Arzt in Köln anrufen, ich bin für den Patienten geeignet als Stammzellenspender, man will sich mit mir über das weitere Vorgehen unterhalten.
Das war ein irres Gefühl. Ich glaub, wenn ich 100.000 € geschenkt bekommen hätte, wäre das glückliche Gefühl lang nicht so gewesen.
Es war aber leider schon nach 17 Uhr und konnte daher erst heute Vormittag anrufen.
Also angerufen und den sehr netten Arzt an die Strippe bekommen. Er hat sich erstmal bedankt und hat gefragt, ob ich immer noch zur Stammzellenspende bereit bin. Aber selbstverständlich.
Er klärte mich dann auf, was denn nun passieren würde.
Wer der Patient ist, das darf ich vor der Spende auf keinen Fall wissen. Später gerne, das wäre erwünscht, man kann auch nach 2 Jahren persönlichen Kontakt zu dem Patienten aufnehmen.
Dann haben wir die Termine abgestimmt. Aber erst musste mal ein Termin bei einer Klinik gemacht werden. Nürnberg ging nicht, also muss ich nach Dresden.
Zunächst wird eine Voruntersuchung gemacht. Mit EKG und Untersuchung auf Viren und Erkrankungen. Das wird schon nächsten Mittwoch passieren.
Danach, am 11.4. und 12.4 wird die Stammzellenspende gemacht. Dafür werden in den Armen Kanülen gelegt. Ein Blutausgang und ein Bluteingang. Bei einem Arm kommt das Blut raus, kommt in einen Seperator und fließt wieder zurück in mich hinein. Das Blut wird einige male zirkulieren, bis man 200- 300 ml der Stammzellen gewonnen hat.
Zuvor muss ich mir 4 Tage lang eine Art Thrombosespritze selber setzen um das Stammzellenwachstum zu fördern.
Es kann sein, dass ich die Nebenwirkungen zu spüren bekomme, wie Knochenschmerzen, oder Grippegefühl. Kann auch sein, dass ich krank geschrieben werde.
Kann an einem Tag nicht ausreichend gewonnen werden, muss der Vorgang am nächsten Tag wiederholt werden. Ist aber unüblich. Dauern wird die Prozedur 4 - 6 Stunden. Krieg ich nen Fernseher vor die Nase, kann lesen oder Löcher in die Luft starren.
Der Arzt hat dann auch sofort das Organisatorische in die Wege geleitet. Nachdem in Nürnberg kein Termin frei war, muss ich nach Dresden. Ich fahr dann jeweils mit dem Zug nach München und mit dem Flieger gehts weiter nach Dresden. Am Flugplatz steht, wie man es aus dem Fernsehen kennt, einer mit einem Schild mit meinem Namen und dem Namen der Klinik und wird mich als Chauffeur ins Hotel bringen. I am a VIP baby. Am nächsten Tag werd ich abgeholt und in die Klinik gefahren.
Zug, Flug und Hotel ist direkt fix gebucht worden. Alle Ausgaben werden erstattet, auch der Arbeitsausfall. Allerdings fragt die DKMS bei der Firma nach, ob sie nicht den Verdienstausfall als Spende ansehen wollen, dann könnte die DKMS das Geld besser für weitere Typisierungen aufwenden.
Ich bin echt gespannt und hoffe und denke an meinen Patienten.
Wenn es soweit ist, dann wird dem Patienten sein Knochenmark zerstört. Wenn ich dann sage, achnö, ich will doch nicht, dann wars das für den Patienten. Aber natürlich mach ich das nicht.
Das ist echt für mich etwas ganz großartiges. Ich kann ein Leben retten.
Wenn das Leben der Tochter meiner Exfreundin nicht gerettet werden konnte, dann verhilft sie nun als Engel vielleicht und hoffentlich meinem Patienten zu einem neuen Leben. Ich wünsch es mir aus ganzem Herzen.

Kommentare:

Tina hat gesagt…

Charly, das ist echt großartig!!

Hase hat gesagt…

Gefällt mir :-)

Martin hat gesagt…

Klasse Charly!

lizzy hat gesagt…

Charly, was du schreibst, beeindruckt mich und ich wünsche der Empfängerin deiner Spende und natürlich auch dir gutes Gelingen der Aktion. Viel Glück und Erfolg!